Die Vorbereitungen zum Start einer Saturn-V-Rakete waren eine hochkomplexe technische Aufgabe. Im Firing Room überwachten Spezialisten über Tage hinweg zahlreiche Systeme der Rakete und der Startanlagen. Die hier gezeigten Panels stammen aus dem Kontrollzentrum des Kennedy Space Centers und wurden für Starts von Saturn V- und Saturn-IB-Raketen verwendet.
Der Firing Room am Tag des Starts der Mission Apollo 15 (Bild: NASA)
Kurz vor dem Start herrscht im Firing Room angespannte Stille. Auf den Monitoren laufen die letzten Anzeigen ein, während der Countdown unaufhaltsam gegen null läuft. Ingenieure sitzen konzentriert an ihren Konsolen, die Augen auf Instrumente, Schalter und Messwerte gerichtet. Jeder überprüft noch einmal den Status seines Systems. Sekunden später zündet die gewaltige Saturn V und hebt langsam vom Startplatz ab. Während draussen die Rakete in den Himmel steigt, verfolgen die Ingenieure im Kontrollraum die Telemetriedaten der ersten Flugsekunden.
Der Firing Room war das zentrale Kontrollzentrum für die Startvorbereitungen der Saturn V-Raketen im Apollo-, Skylab und Apollo-Sojus-Programm. Er befand sich im Launch Control Center LCC (Bild rechts) am Kennedy Space Center in Florida, unweit der Startanlagen. Von hier überwachten und koordinierten Ingenieure und Techniker sämtliche Abläufe der Startvorbereitungen für die Apollo-Mondmissionen.
Der Raum war in mehrere Reihen von Konsolen gegliedert, ausgerüstet mit einer Vielzahl von technischen Instrumenten. Jedes dieser Panel war für bestimmte Systeme der Rakete oder der Bodenanlagen zuständig – etwa für Treibstoffversorgung, elektrische Systeme, Triebwerke, Telemetrie oder Sicherheitseinrichtungen. An diesen Konsolen arbeiteten während der Startkampagne mehr als hundert Spezialisten gleichzeitig. Ihre Arbeit begann jedoch nicht erst am Tag des Starts: Bereits in den Tagen zuvor überwachten sie die schrittweise Aktivierung und Prüfung der zahlreichen Systeme der Rakete und der Startinfrastruktur. Über Anzeigen, Schalter und Messinstrumente wurden Daten kontrolliert, Tests durchgeführt und mögliche Unregelmässigkeiten sofort analysiert.
Während des Countdowns liefen im Firing Room alle Informationen zusammen. Die Ingenieure überprüften kontinuierlich den Status der einzelnen Systeme und gaben nacheinander ihre Freigaben für die nächsten Schritte im Startablauf. Erst wenn jede Station ihre Zustimmung erteilt hatte, konnte der Countdown fortgesetzt werden.
JoAnn Morgan – einzige Frau im Firing Room
Die Atmosphäre im Firing Room war geprägt von hoher Konzentration und präziser Zusammenarbeit. Die meisten der beteiligten Ingenieure waren Männer – ein Spiegel der damaligen Gesellschaft. Eine bemerkenswerte Ausnahme war JoAnn Morgan, die als Instrumentationsingenieurin arbeitete und während des Starts von Apollo 11 zum Mond als einzige Frau im Firing Room tätig war.
Mit dem Abheben der Saturn V vom Startkomplex endete die unmittelbare Verantwortung des Firing Rooms. Sobald die Rakete einen stabilen Flug erreicht hatte, wurde die Kontrolle der Mission an das Christopher C. Kraft Jr. Mission Control Center im Johnson Space Center in Houston übergeben, von wo aus die Flugkontrolleure den weiteren Verlauf der Mission steuerten.
Hier sind in der Folge originale Firing Room Panels der Apollo-, Skylab- und Apollo-Sojus-Programme. Sie gehören zur persönlichen Sammlung von Guido Schwarz. Einige davon sind im Swiss Space Museum ausgestellt. Die Recherchen zu den Informationen zu der Panels stammen vom Sachbuchautor und Swiss Space Museum Ambassador Jonathan H. Ward.
GSCU = Ground Support Cooling Unit (Bodenunterstützungs-Kühleinheit)
Dieses Panel stammt vermutlich aus Firing Room 3. Die «Operational Check»-Aufkleber auf den Messinstrumenten geben als nächsten Zertifizierungstermin «ASTP» an. Dies ist typisch für Panels, die sich in Firing Room 3 befanden und die bemannten Skylab-Starts sowie wahrscheinlich das Apollo–Soyuz Test Project (ASTP) unterstützten.
Das Panel befand sich in Area B, Reihe B, Konsole 6. Das Rufzeichen des Ingenieurs, der dieses Panel überwachte, lautete im Intercom-System «CUCP».
Das Ground Support Equipment (GSE) versorgte Instrumente in der Instrument Unit (IU) mit Kühlmittel. Dieses wurde über Leitungen zugeführt, die durch die Swing Arms (bewegliche Versorgungsarme des Startturms) verliefen. Dadurch konnten die Instrumente der Rakete nach dem Einschalten und bis zum Abheben auf der richtigen Betriebstemperatur gehalten werden. Eine Beschreibung dieser Funktion findet sich im Skylab Saturn IB Flight Manual auf den Seiten 5-13, 6-28 und 6-31.

Dieses Panel stammt vermutlich ebenfalls aus Firing Room 3. Der wichtigste Hinweis darauf ist, dass die Saturn-IB-Starts nach Apollo 7 alle von Firing Room 3 aus gesteuert wurden. Auch hier weisen die ASTP-Zertifizierungsaufkleber auf den Messinstrumenten darauf hin.
Das Hydrauliksystem der S-IB-Stufe steuerte während des angetriebenen Fluges die Schwenkbewegungen der vier äusseren Triebwerke der ersten Stufe. Eine ausgezeichnete Darstellung des Hydrauliksystems – einschliesslich eines Diagramms dieses Kontrollpanels – findet sich im Skylab Saturn IB Flight Manual auf Seite 4-36. Eine detaillierte Beschreibung des Systems befindet sich auf den Seiten 4-37 bis 4-43.
Es existieren nur wenige gute Fotos von Firing Room 3 aus der Zeit der Skylab- oder ASTP-Starts. Die S-IB-Kontrollpanels befanden sich in Area B, Reihe A, Panels 16–30. An dieser Stelle waren bei den Saturn V-Starts die Panels der S-II-Stufe angeordnet.
Vermutlich befand sich dieses Panel zwischen Konsole 22 und 30 befand. Das Rufzeichen des zuständigen Ingenieurs war wahrscheinlich «C1HP».
Dieses Panel stammt vermutlich aus Firing Room 2. Der «Disposition»-Aufkleber oben rechts auf dem Panel ist typisch für andere Panels aus diesem Firing Room.
Beim Vergleich mit einem Foto aus Firing Room 1 (1966) zeigen sich Unterschiede. Obwohl Metallband über einigen Bereichen sowie einzelne Beschriftungen offensichtlich im Zuge späterer Modifikationen angebracht wurden, unterscheidet sich die Schriftart und der Zeichenabstand deutlich vom Beispiel in Firing Room 1.
Das S-IC Measuring and RF Panel befand sich in Firing Room 1 in Area B, Reihe E, Rack 15. Das Rufzeichen des zuständigen Ingenieurs lautete «C1IP».
Jede Stufe der Saturn V verfügte über ein Messsystem, das verschiedene physikalische Parameter – etwa Spannungen oder Temperaturen – überwachte. Diese Messwerte wurden in elektrische Signale umgewandelt, aufbereitet und anschliessend an das Telemetriesystem weitergeleitet, das sie zur Bodenstation übertrug.
Für jede Stufe der Saturn V existierte im Firing Room ein entsprechendes Kontrollpanel, mit dem sichergestellt wurde, dass sowohl das Messsystem als auch die Funkübertragung (RF) ordnungsgemäss funktionierten.
Dieses Panel stammt vermutlich ebenfalls aus Firing Room 2, erkennbar am «Disposition-Aufkleber» auf der rechten Seite. Im Firing Room 1 befand es sich in Area B, Reihe E, Rack 3. Das Rufzeichen des Ingenieurs lautete «CQBL».
Beim Vergleich mit dem Panel aus FR1 fällt auf, dass eines der Messinstrumente umfunktioniert wurde. Ursprünglich existierten offenbar zwei redundante Systeme zur Messung des Luftdrucks am sogenannten Q-Ball. In diesem Panel wurde eines der beiden Instrumente stattdessen zur Überwachung der Innentemperatur des Q-Ball-Mechanismus verwendet.
Der Q-Ball befand sich an der Spitze des Launch Escape Systems. Er war mit einer Abdeckung versehen, die über eine Leine mit dem Startturm verbunden war. Kurz vor dem Start wurde ein Gegengewicht am anderen Ende der Leine freigegeben, wodurch die Abdeckung vom Q-Ball abgezogen wurde («Cover Retracted»-Anzeige auf dem Panel).
Der Q-Ball mass den aerodynamischen Druck, während die Rakete beschleunigte. Das Instrument «Deflection in PSI DIFF» zeigte an, in welchem Ausmass der Luftdruck nicht exakt aus der vorgesehenen Flugrichtung kam. Diese Werte wurden sowohl in der Raumkapsel als auch am Boden überwacht. Überschritt die Druckdifferenz 3,2 PSI, musste sofort ein Startabbruch eingeleitet werden.
Auch dieses Panel scheint aus Firing Room 3 zu stammen. Der Hauptgrund ist wiederum, dass alle Saturn-IB-Starts nach Apollo 7 von dort gesteuert wurden. Zudem tragen die Instrumente ASTP-Zertifizierungsaufkleber.
Der Name des Panels wurde offenbar nachträglich geändert, was sich an dem Metallband über der ursprünglichen Beschriftung erkennen lässt. Interessanterweise bezeichnet das Eigentumsschild auf der Rückseite das Panel als «Ground Pressure».
Im Saturn V Visitors Center befindet sich im Ausstellungsbereich «Firing Room 1» ein Panel mit der Bezeichnung «Ground Pressures», das diesem Panel sehr ähnlich ist. Dieses scheint aus Launch Complex 34 oder 37 zu stammen. Da es kein entsprechendes Panel für die Saturn-V-Stufen gibt, könnte dieses Panel ursprünglich von LC-34/37 geborgen und später für Skylab- oder ASTP-Starts umgebaut worden sein – möglicherweise handelte es sich auch um ein Ersatzgerät. Leider reichen die verfügbaren Informationen derzeit nicht aus, um dies eindeutig zu klären.
Das Ground Pneumatics Panel überwachte die Drücke in den Systemen, die Gase zur S-IB-Stufe lieferten. Helium wurde zur Druckbeaufschlagung der LOX-Tanks verwendet, während gasförmiger Stickstoff (GN) verschiedene Kammern der Stufe spülte, in denen sich sonst explosive Gasgemische hätten bilden können.
Diese Gasleitungen führten zum Starttisch und zum Startturm und wurden über die Swing Arms zu verschiedenen Bereichen der Rakete geleitet.
Die S-IB-Panels befanden sich in Area B, Reihe A, Panels 16–30. Ein Fotos aus dem ASTP-CDDT legt nahe, dass sich dieses Panel zwischen Konsole 22 und 30 befand. Das Rufzeichen des Ingenieurs war wahrscheinlich «C1GP».
Auch dieses Panel stammt vermutlich aus Firing Room 3, was wiederum mit den von dort gesteuerten Saturn-IB-Starts nach Apollo 7 zusammenhängt. Die ASTP-Zertifizierungsaufkleber auf den Instrumenten bestätigen diese Zuordnung.
Der Name des Panels wurde offenbar verändert, erkennbar an dem Metallband über der Beschriftung mit «IB». Das Panel ist ansonsten identisch mit den Panels S-IC Propellant Dispersion, S-II Propellant Dispersion und S-IVB Propellant Dispersion. Wahrscheinlich handelt es sich also um eines dieser Panels, bei dem lediglich der Name angepasst wurde.
Die Propellant Dispersion Panels befanden sich stets ganz rechts in der Reihe der Kontrollpanels für eine jeweilige Raketenstufe. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses Panel bei den bemannten Skylab-Starts und beim ASTP in Area B, Reihe A, Rack 30 installiert war. Das Rufzeichen des Ingenieurs lautete vermutlich «C1DP».
Das Propellant-Dispersion-System war Teil des Range-Safety-Systems. Entlang der gesamten Länge der Treibstofftanks jeder Stufe verliefen Sprengladungen (Exploding Bridge Wire, EBW). Wenn die Rakete von ihrer Flugbahn abwich, konnte der Range Safety Officer diese Ladungen zünden. Dadurch wurden die Treibstofftanks aufgerissen und der Treibstoff in der Luft verteilt, wodurch die Explosionsgefahr beim Aufschlag reduziert wurde.
Dieses Panel überwachte die Funktion der Range Safety Command Receivers (RSCR). Die Rakete besass zwei redundante Empfänger, die den Selbstzerstörungsbefehl empfangen konnten. Ausserdem zeigte das Panel an, ob ein solcher Befehl empfangen wurde und ob die EBW-Ladungen ausgelöst hatten. Am Boden wurde dies selbstverständlich nur mit Simulatoren statt echten Sprengladungen getestet.
Während verschiedener Countdown-Simulationen konnte der Range Safety Officer einen «Destruct-Befehl» senden. Die Ingenieure an den Propellant-Dispersion-Panels bestätigten anschliessend, ob dieser Befehl korrekt empfangen und verarbeitet worden war.
Eine interessante Randnotiz: Der «Destruct-Befehl» wurde kurz vor dem Start verschlüsselt und in die Empfänger der Rakete geladen. Diese Codes gehörten zu den wenigen Informationen im gesamten Raumfahrtprogramm, die als «streng geheim» galten und in einem gesicherten Tresor aufbewahrt wurden. Man befürchtete, dass sowjetische Aufklärungsschiffe vor der Küste Floridas versuchen könnten, einen solchen Befehl zu senden, um einen Start zu sabotieren.
LCC Firing Room Layout
Orientation Board
für Apollo 11
Hier zu sehen ist eine grossformatige Orientierungstafel aus Karton mit der Layout-Darstellung des Firing Rooms im Launch Control Center (LCC), die während den Startvorbereitungen zur Apollo-11-Mission im LCC benutzt worden ist. (Sammlung Guido Schwarz)
Das Objekt stammt aus dem Nachlass von Norm Carlson, der als Lead Launch Vehicle Test Conductor für zahlreiche Raumfahrtmissionen verantwortlich war. Zu seinen bedeutendsten Einsätzen zählen Apollo 11 – die erste bemannte Mondlandung im Jahr 1969 –, die ersten Missionen der amerikanischen Raumstations-Prototypen Skylab im Jahr 1973 sowie das Apollo-Soyuz Test Project von 1975. Nach der Apollo-Ära war Carlson Chief Test Director für Space-Shuttle-Starts und Leiter der Vehicle Processing Division der NASA.
Testleiter Norman M. «Norm» Carlson (stehend) im Firing Room 1 im Launch Control Center im Kennedy Space Center und überwacht den Countdown-Demonstrationstest (CDDT) für die Apollo-17-Mission. (Bild: NASA)
Nach dem Verlust der Raumfähre Challenger im Jahr 1986 wurde Carlson in das Space Flight Panel berufen und war dort für alle Fragen der Flugsicherheit im Rahmen der Wiederaufnahme des Weltraumflugbetriebs zuständig. Ab März 1991 fungierte er als stellvertretender Direktor der Shuttle-Operationen und blieb weiterhin Leiter der NASA-Testabteilung. Carlson trat im März 1995 bei der NASA in den Ruhestand.
Norm Carlson starb am 1 März 2015 im Alter von 81 Jahren.

Rocket Ranch: The Nuts and Bolts of the Apollo Moon Program at Kennedy Space Center
Jonathan H. Ward, Springer-Praxis Books, 2015
Countdown to a Moon Launch: Preparing Apollo for Its Historic Journey
Jonathan H. Ward, Springer-Praxis Books, 2015