Auf Abfangkurs ins Unbekannte – Kometenforschung hautnah im Swiss Space Museum

2029 startet eine aussergewöhnliche Weltraummission. Draussen im All, jenseits des Mondes, wird die Raumsonde Comet Interceptor in ihre Parkposition gebracht. Noch kennt niemand ihr Ziel. Kein Name, keine Bahn ist berechnet, kein Schweif in Sicht. Und doch ist die Mission klar: Sobald ein geeigneter Komet entdeckt wird, ein urtümlicher Bote aus den Randgebieten des Sonnensystems, wird sie aufbrechen und ihn im Vorbeiflug untersuchen. Mit bis zu 70 Kilometern pro Sekunde rast sie dann durch die Staub- und Gas-Umgebung, der sogenannten Koma des Kometen. Ein einmaliger Blick auf Material, das seit Milliarden Jahren nahezu unverändert geblieben ist.

Diese aussergewöhnliche Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA steht im Zentrum des Museumswochenendes vom 28. und 29. März 2026 im Swiss Space Museum in Regensdorf. Den Höhepunkt bildet das Referat von PD Dr. Martin Rubin von der Universität Bern am Sonntag, 29. März 2026, der aus erster Hand über die wissenschaftlichen Ziele und Herausforderungen von Comet Interceptor berichtet.

Die Universität Bern an vorderster Front

Am Sonntag, 29. März 2026 spricht PD Dr. Martin Rubin, Universität Bern, über Ziele und Herausforderungen von Comet Interceptor. Bern ist für zwei Instrumente verantwortlich: die Hauptkamera CoCa und das Massenspektrometer MANiaC. Beide Instrumente sollen entscheidende Daten liefern, wenn die Sonde ihrem Ziel begegnet.

Das Instrument MANiaC in der Vakuumkammer an der Universität Bern.

Comet Interceptor ist dabei in vielerlei Hinsicht eine Mission der neuen Generation. Der Start ist für 2029 geplant, zunächst geht es zum Lagrange-Punkt L2 auf der von der Sonne abgewandten Seite der Erde. Von dort aus wartet die Sonde – möglicherweise jahrelang – bis von der Erde aus ein passender Komet entdeckt wird. Idealerweise handelt es sich um einen Körper, der zum ersten Mal in Sonnennähe kommt und dessen Material noch nie durch intensive Erwärmung verändert wurde.

Warum Kometen so wertvoll sind

Martin Rubin erforscht seit vielen Jahren die Zusammensetzung von Kometen. Bereits bei der ESA-Mission Rosetta analysierte er mit dem Massenspektrometer ROSINA den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Sein zentrales Interesse gilt den chemischen Bausteinen dieser Himmelskörper – und damit letztlich auch dem Ursprung unseres eigenen Planeten.

«Kometen sind aus demselben Material entstanden wie das Sonnensystem», erklärt Rubin. «Sie haben aber die meiste Zeit bei sehr tiefen Temperaturen weit weg von der Sonne verbracht – sozusagen in der Tiefkühltruhe unseres Sonnensystems. Dadurch haben sie ihr Material über viereinhalb Milliarden Jahre konserviert.»

Gerade diese Ursprünglichkeit macht Kometen wissenschaftlich so wertvoll. In ihren Eiskernen finden sich Wasser, Kohlendioxid, organische Moleküle und viele weitere Stoffe, aus denen beim Annähern an die Sonne die charakteristischen Kometenschweife entstehen. Gleichzeitig stellen sie einen möglichen Schlüssel zur Frage dar, woher das Wasser und Teile der Atmosphäre der Erde stammen. «Um unseren eigenen Ursprung zu verstehen, müssen wir auch in den Weiten des Sonnensystems suchen», so Rubin.

Technik am Limit

Die wissenschaftliche Neugier trifft bei Comet Interceptor auf extreme technische Anforderungen. Der Vorbeiflug erfolgt mit enormer Geschwindigkeit – jedes Staubkorn wird dabei zur potenziellen Gefahr. «Bei diesen Geschwindigkeiten wird jedes Staubkorn zum Geschoss», sagt Rubin. «Raumsonde und Instrumente müssen das aushalten können und entsprechend geschützt sein.» Innerhalb weniger Sekunden müssen Kamera und Massenspektrometer möglichst viele präzise Messungen liefern – eine einmalige Chance ohne zweiten Vorbeiflug.

Ein Wochenende für alle, die mehr wissen wollen

Das Museumswochenende bietet die Gelegenheit, diese faszinierende Forschung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Neben dem Referat von Martin Rubin finden sowohl am Samstag als auch am Sonntag Führungen im Swiss Space Museum statt, mit besonderem Schwerpunkt auf Kometenforschung und aktuellen Raumfahrtmissionen.

Wer sich für den Blick an den Anfang unseres Sonnensystems interessiert – und für die Frage, woraus letztlich auch wir selbst entstanden sind –, erhält an diesem Wochenende spannende Einblicke. Oder, wie Martin Rubin es formuliert: «Kometen verlieren nichts von ihrer Faszination, auch wenn man sie erforscht. Das Gegenteil ist der Fall.»


Programm Samstag, 28. März 2026
Öffnungszeiten Museum: 13:00-16:00 Uhr
13:30 Uhr – Führung durch die Ausstellung zur Erforschung des Sonnensystems (Schwerpunkt Kometen)
15:00 Uhr – Führung durch die Ausstellung zur Erforschung des Sonnensystems (Schwerpunkt Kometen)
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Programm Sonntag, 29. März 2026
Öffnungszeiten Museum: 11:00-16:00 Uhr
12:00 Uhr – Führung durch die Ausstellung zur Erforschung des Sonnensystems (Schwerpunkt Kometen)
13:30 Uhr – Referat «Comet Interceptor: Auf Abfangkurs zu einem unbekannten Kometen» von PD Dr. Martin Rubin, Universität Bern
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